Surreale Momentaufnahmen aus Neukölln

Künstlerin Estera über Zeit, Stillstand und Wahrnehmung

Surreale Momentaufnahmen aus Neukölln
Künstlerin Estera betrachtet eines ihrer Werke während der Ausstellung in Berlin-Neukölln. Die Arbeit spielt mit Zeit, Wahrnehmung und einer bewusst offen gehaltenen, leicht surrealen Bildsprache. Foto: Mustafa Ekşi

Berlin-Neukölln.

In einer Ausstellung, die bewusst mit Wahrnehmung, Zeitgefühl und Deutungsoffenheit spielt, präsentiert die Künstlerin Estera ihre aktuellen Arbeiten. Die Schau trägt den Titel Picture Program Radiogram und versammelt fotografische und projizierte Bildsequenzen, die alltägliche Momente in eine schwebend-surreal anmutende Bildsprache überführen.

Im Gespräch mit Journalist Mustafa Ekşi beschreibt Estera ihren Ansatz als ein bewusstes Zusammenfließen von Beobachtung, Wiederholung und subjektiver Erinnerung. „Bei den Bildern soll alles ineinanderfließen“, erklärt sie. Über einen längeren Zeitraum habe sie immer wieder dieselbe Ecke ihres Zimmers fotografiert – insbesondere in den Jahren 2020 und 2021. Diese Wiederholung sei kein Zufall, sondern Ausdruck eines empfundenen Stillstands. „Die Zeit spielt dabei eine zentrale Rolle – manchmal scheint sie einfach stehen zu bleiben.“


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Kunst ohne eindeutige Antworten

Ein zentrales Element der Ausstellung ist die bewusste Offenheit der Motive. In einer projizierten Sequenz erkennen Besucherinnen und Besucher unterschiedliche Dinge: Manche sehen eine Nähmaschine, andere ein Tier. Tatsächlich handelt es sich um eine sich bewegende Aufnahme einer Hand, gefilmt in einem alten Fahrstuhl. Für Estera ist gerade diese Uneindeutigkeit entscheidend. „Ich möchte nicht zu viel erklären. Jeder soll sich selbst hinein denken. Wenn man alles verrät, verliert das Bild seine Spannung.“

Ziel: eine schwebende, surreale Stimmung

Auf die Frage nach Sinn und Ziel ihrer Kunst antwortet Estera klar: Es gehe ihr nicht um eine konkrete Botschaft, sondern um Atmosphäre. „Ich wollte eine schwebende, leicht surreale Stimmung erzeugen. Etwas, bei dem man nicht genau weiß, was hier eigentlich passiert.“ Dieses Gefühl des Unklaren sei Teil des künstlerischen Konzepts – ein bewusster Bruch mit eindeutigen Lesarten.

Nächste Ausstellung im Frühling geplant

Nach dem aktuellen Projekt blickt die Künstlerin bereits nach vorn. Eine weitere Ausstellung ist für das Frühjahr geplant. Ort und genaue Details sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.