Archivinterview aus dem Jahr 2011: Claudia Roths Aussagen zur Türkei und zur Einwanderungsgesellschaft prägen die Debatte bis heute

Ein Archivinterview mit aktueller Relevanz: Bereits 2011 erklärte Claudia Roth im Gespräch mit Hüreyre Kam, produziert von Mustafa Ekşi, Deutschland sei eine Einwanderungsgesellschaft. Viele ihrer damaligen Aussagen prägen die politische Debatte bis heute.

Archivinterview aus dem Jahr 2011: Claudia Roths Aussagen zur Türkei und zur Einwanderungsgesellschaft prägen die Debatte bis heute
Claudia Roth im Interview mit Hüreyre Kam im Deutschen Bundestag (2011). Produziert von Mustafa Ekşi. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die deutsch-türkischen Beziehungen, Migration, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe.

Berlin. Bereits im Jahr 2011 sprach die damalige Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, im Deutschen Bundestag über Migration, gesellschaftliche Teilhabe, Bildung und die deutsch-türkischen Beziehungen. Das Interview wurde von Hüreyre Kam geführt und von Mustafa Ekşi produziert.

Heute – 15 Jahre später – wirken viele ihrer damaligen Aussagen aktueller denn je.

„Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft“

Claudia Roth machte bereits 2011 deutlich, dass Deutschland sich als Einwanderungsgesellschaft verstehen müsse. Die eigentliche politische Aufgabe bestehe nicht mehr darin, darüber zu diskutieren, ob Deutschland ein Einwanderungsland sei, sondern gleiche Chancen und gesellschaftliche Teilhabe für alle Menschen zu schaffen.

Viele der damaligen Debatten spiegeln sich heute in aktuellen Reformen des Staatsangehörigkeitsrechts, der Integrationspolitik und der Diskussion um gesellschaftliche Vielfalt wider.

Bildung statt Herkunft

Ein Schwerpunkt des Interviews war die Bildungspolitik.

Roth kritisierte, dass in Deutschland häufig nicht die Fähigkeiten eines Kindes, sondern dessen sozialer Hintergrund oder Nachname über den Bildungserfolg entscheide. Mehrsprachigkeit bezeichnete sie als gesellschaftlichen Vorteil, der stärker gefördert werden müsse.

Nach ihrer Auffassung müsse jedes Kind – unabhängig von Herkunft oder Familiengeschichte – die gleichen Bildungschancen erhalten.

Türkei als strategischer Partner

Im Gespräch unterstrich Claudia Roth außerdem die besondere Bedeutung der Türkei für Deutschland und Europa.

Sie sprach sich für gegenseitigen Respekt, einen intensiven politischen Dialog und eine enge Zusammenarbeit aus. Die deutsch-türkischen Beziehungen seien von großer strategischer Bedeutung und dürften nicht auf Integrationsfragen reduziert werden.

Von Integration zu Partizipation

Besonders bemerkenswert war Roths Kritik am Begriff „Integration“. Stattdessen plädierte sie für den Begriff „Partizipation“.

Nach ihrer Auffassung sollten Menschen mit Migrationsgeschichte nicht ständig beweisen müssen, dass sie dazugehören. Entscheidend seien gleiche Rechte, politische Mitbestimmung, erleichterte Einbürgerung sowie Chancengleichheit in Bildung, Beruf und Gesellschaft.

Archiv mit aktueller Bedeutung

Rückblickend zeigt das Interview, wie viele der damals diskutierten Themen heute noch die politische Agenda Deutschlands bestimmen. Fragen zur Migration, Staatsangehörigkeit, Teilhabe und den deutsch-türkischen Beziehungen gehören weiterhin zu den zentralen Herausforderungen der deutschen Politik.

Das Interview dokumentiert zugleich eine wichtige Phase der politischen Debatte im Deutschen Bundestag und besitzt damit einen hohen zeitgeschichtlichen Wert.

Archivmaterial (2011)

Interview: Dr.Hüreyre Kam
Produktion / Redaktion: Mustafa Ekşi
Ort: Deutscher Bundestag, Berlin
Jahr: 2011